Wissenswertes

Der kindliche Spracherwerb – ein Hürdenlauf über Sprechgipfel und -täler

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„Lina möchte ihrem Erzieher Daniel erklären, dass er die Stoffkrone des Prinzessinnenkleides noch einmal binden muss, da diese zu fest am Kopf anliegt. Mit ihren 2 Jahren kann sie sich allerdings noch nicht so gut ausdrücken, sodass es minutenlang dauert, bis Daniel versteht, was Lina sagen möchte.“

 

Dieses Beispiel gibt Heilpädagogin und Sprachfachkraft Miriam Schwörer in ihrem Artikel „Hürdenlauf: der kindliche Spracherwerb“ in der Fachzeitschrift klein&groß (Ausgabe 05/19) als Beispiel dafür, wie frustrierend und komplex Sprechen lernen für Kinder sein kann. Denn die Stärken von Sprache, Facettenreichtum und Vielseitig, stellen gleichzeitig große Herausforderungen für die Kleinsten dar.

Was ist Sprache eigentlich und wofür braucht man sie?

Miriam Schwörer zeigt hier besonders auf zwei sehr unterschiedliche Seiten von Sprache: den verbalen und nonverbalen Teil. Zum nonverbalen Teil gehört u.a. Körpersprache, wie zum Beispiel Kopfschütteln. Zum verbalen Teil gehören Sätze in unterschiedlichster Länge, von Ausrufen wie „Nein!“ und „Supi!“ bis hin zu komplexen Erklärungen, was mit der Prinzessinnenkrone falsch ist und wie das Problem behoben werden kann. Der verbale und nonverbale Teil existieren jedoch bei weitem nicht getrennt voneinander, sondern werden in der Regel miteinander kombiniert – eine weitere Herausforderung, die gemeistert werden will.

Gipfel, die erklommen werden möchten

Laut Miriam Schwörer können komplexe Situationen wie oben beschrieben leicht Frust hervorrufen und einschüchternd auf Kinder wirken. Kinder drücken ihren sprachlichen Frust dann oft körperlich aus, was für uns Erwachsene mit voller Sprachkompetenz schwer nachvollziehbar sein kann.

Sollten Kinder Sprechfreude entwickelt haben, haben sie jedoch erst die Hälfte des Berges erklommen: in der Schule wartet auf sie noch die Bildungssprache. Diese unterscheidet sich deutlich von der Alltagssprache, die Kindern viel häufiger begegnet.

Hilfe auf dem Wege

Miriam Schwörer gibt eine Reihe von allgemeinen Tipps, die Sie als Erziehende im Alltag beachten können, um Kindern beim Spracherwerb zu helfen:

  • Erziehende als Sprach-Vorbild und Inspirationsquelle: Kinder orientieren sich in ihrem Spracherwerb an ihrer Umgebung. Sie werden Sie zum Teil sogar direkt imitieren!
  • Sprachanlässe nutzen: Sprechen Sie so viel wie möglich mit Kindern. Miriam Schwörer gibt das Beispiel, dass man beim Jacke anziehen dem Kind die Funktion des Reißverschlusses erklären kann. Viele alltägliche Situationen geben neuen Gesprächsstoff!
  • Korrektives Feedback anstatt konkreter Korrektur: „Ich bin nach Hause gegeht!“ „Ach so, gestern nach dem Kindergarten bist du nach Hause gegangen?“
  • Vorlesen und dialogische Bildbetrachtung: Im pädagogischen Leitfaden in unserer App gibt es ein ganzes Kapitel über die dialogische Buchbetrachtung mit konkreten Tipps und Anregungen zu den einzelnen Büchern in Polylino!

 

Auf der Webseite des Oldenbourg-Verlags können Sie den gesamten Artikel von Sprachfachkraft Miriam Schwörer mit noch mehr Beispielen aus dem Kita-Alltag oder die gesamte Mai-Ausgabe der klein&groß erwerben!