Über den Gebrauch von Bilderbüchern in der pädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten

 

Sprache und Vorlesen

Die Arbeit mit Bilderbüchern ist eng mit Lernzielen der Vorschulpädagogik verbunden. Dazu gehören das Heranführen der Kinder an Literatur, Leseförderung mit der Vermittlung von Geschichten und Bildern ebenso wie die haptische Erfahrung mit Print- und digitalen Medien.

 

Texte und Illustrationen

Die Fähigkeit, Texte und Bilder aufzunehmen, zu verstehen und sinnerfassend wiederzugeben, hängt eng zusammen mit der Fähigkeit, Sprache, Information und erstes Wissen einzuüben und zu gebrauchen. Bücher transportieren Vokabular und Grammatik, Handlung, Lehren, Einsichten, machen mit Personen und Ansichten bekannt, vermitteln Konzepte und Kausalitäten. Erzählungen, Märchen, Verse und erste Informationen machen Kinder im geschützten pädagogischen und literarischen Raum mit Lebenswelten und Zeitperspektiven bekannt, die bisher noch außerhalb ihrer Erfahrung liegen. Sie führen in ästhetische Modelle ein und eröffnen den Zugang zum zweckfreien Spiel mit Sprache und Kunst. Das Vorlesen von Büchern hilft Kindern, Sprachrhythmus und -melodie, Struktur und Dramaturgie des vermittelten Textes wahrzunehmen. Bilderbücher geben Anstöße zu eigenem Sprechen, zu Fragen, Meinungsäußerungen und Kommentaren. So ermöglicht die Arbeit mit der variationsreichen Fülle von Literatur Gruppenpädagogik als auch individuelle Förderung.

 

Emotionen

Gespräche über Bücher bieten Kindern die Möglichkeit, über Gefühle, schwierige Situationen, knifflige Themen oder unbeantwortete Fragen zu sprechen. Nicht unterschätzt werden darf die Wirkung des Identifikationsprozesses mit Inhalten und Charakteren. Dadurch werden Kinder in ihrem Selbstbild und Selbstwertgefühl gestärkt und ihre Empathie und Verständnis für andere angeregt.

 

Kommunikation

Die Fähigkeit verbaler und non-verbaler Kommunikation gehört zur Voraussetzung selbstbestimmter Lebensführung und zielgerichteten Lern- und Ausbildungsprozessen. In Gesprächen über Bilderbücher können sich Kinder leicht in ihrer Kommunikation üben. Sie lernen dabei, die eigene Meinungsbildung, aber auch die Meinungen anderer, einzuordnen und zu respektieren.

 

Gemeinschaftliches Lesen

Sind Kinder Teil einer Lesegemeinschaft, die sich aktiv mit Büchern beschäftigt, motiviert dies sie stark, sich selbst als Leser zu sehen. Selbstverständliche und regelmäßig organisierte Lese- bzw. Vorlesestunden, der häufige Kontakt mit Lesewelten, Gespräche über Geschichten und Bilder flankieren die Lesepropädeutik in Kindertagesstätten. Das gilt besonders für Kinder aus einem Umfeld, dass weniger zu literaturgestützter Kommunikation anregt. Hier haben Kindertagesstätten die Möglichkeit, ausgleichend zu wirken.