Interviews

„Polylino erhöht die Qualität der Leseförderung in Bibliotheken!“

In Schweden erfreut sich Polylino (das dort Polyglutt heißt) nicht nur in Kindertageseinrichtungen und Schulen, sondern auch in Bibliotheken immer größerer Beliebtheit. Anna Hällgren arbeitet seit 28 Jahren als Bibliothekarin. Wir haben mit ihr gesprochen und sie nach ihren Erfahrungen mit Polylino gefragt.

 

Anna, erzähl doch mal ein bisschen von dir. Wer bist du und was arbeitest du?

Ich heiße Anna Hällgren und arbeite seit 28 Jahren in verschiedenen Bibliotheken. Hauptsächlich auf kommunaler Ebene in Bücherbussen, kleinen und großen Bibliotheken, in Schulbibliotheken und sogar als Business Developer für Kinder und Jugendliche. Auf regionaler Ebene war ich als Berater für Bibliotheken mit dem Schwerpunkt Literatur und Leseförderung tätig. Ich bin in verschiedenen lokalen Leseprojekten für Kinder und Jugendliche eingebunden, auch Neuankömmlinge / Flüchtlingskinder. Daneben arbeite ich seit vier Jahren als freie Vorleserin und Beraterin. Seit Februar bin ich außerdem beim Kulturrat mit dem Projekt „Buchstart“ betraut – hier liegt der Fokus auf der Sprachentwicklung von Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren: Bibliotheken, Kinderärzte und Kindertageseinrichtungen arbeiten zusammen, um die Sprach- und Leseentwicklung der Kinder zu fördern.

Wie kann man Polylino in Bibliotheken anwenden?

Polylino ermöglicht es uns, qualitativ hochwertige Aktivitäten zur Leseförderung in den Bibliotheken anzubieten. Beispielsweise mit Lesestunden, bei denen man die Bilderbücher auf großen Bildschirmen zeigen kann. Wir können in die Bücher hineinzoomen, um uns Details anzusehen oder um Wörter und deren Bedeutung zu wiederholen. Es ist natürlich auch großartig, die eingelesen Sprachen bei Lesestunden, in Sprachcafés, Buchzirkeln und Lesegruppen einzusetzen. So können Bibliotheken beispielsweise Bücher in den Sprachen der schwedischen Minderheiten besser hervorheben und das bestehende Angebot an physischen Büchern bereichern.

Welche Vorteile gibt es?

Es ist wichtig für Bibliotheken zu zeigen, dass wir auf unterschiedliche Art und Weise und mit verschiedenen Sinnen Bücher konsumieren können – dass Sehen und Hören das Leseerlebnis verstärken. Für mehrsprachige Eltern und Kinder ist es wichtig, dass die Bibliothek Ihnen zeigt, wie ein digitaler Bilderbuchdienst in verschiedenen Sprachen aussieht und dass sie in die Bibliothek kommen können, um gratis die Bücher zu lesen und anzuhören. Mit den Bücherregalen in Polylino ist es kinderleicht, Buchtips zu einem bestimmten Thema geben. Durch QR-Codes können die Bücher von mehreren Kindern in verschiedenen Sprachen gleichzeitig angehört werden – es gibt so viele Möglichkeiten!

Wie reagieren die Kinder?

Viele Kinder sagen einfach erst einmal: wow! Sie finden es fantastisch, wenn sie sich ein Buch in ihrer Muttersprache anhören können. Außerdem ist es spannend für Kinder, dass es so viele Bücher in unterschiedlichen Sprachen gibt – dass ein und dasselbe Buch so anders klingen kann! Sie sind neugierig und hören sich gerne die Sprachen ihrer Freunde an. Für die Kinder ist es etwas Besonderes, sich die Bücher auf einem großen Bildschirm anzusehen, die Bilder vergrößern zu können und neue Details zu entdecken. Sie lieben es, sich ihr Lieblingsbuch oder auch nur eine Seite daraus wieder und wieder vorlesen zu lassen. Ganz leicht entdecken sie neue Bücher zum selben Thema oder der selben Sprache. Es öffnet sich ihnen teilweise eine neue Welt und es stärkt ihre Identität als Leser.

Welche drei Tipps haben Sie für Bibliotheken, um mit Polylino in Gang zu kommen?

Erstens, lassen Sie alle Angestellten die App ausprobieren. In einer halben Stunde bekommt man einen guten Überblick und versteht, wie Polylino funktioniert. Schauen Sie sich z.B. die Themen- oder Sprachregale an und zeigen Sie, wie man Polylino auf einem großen Bildschirm mit und ohne Ton anzeigen kann. Überlegen Sie sich, wie Sie Polylino am Anfang einsetzen wollen.
Zweitens, planen sie eine Gruppenaktivität mit Polylino ein, z.B. eine Lesestunde bei der sie ein Bilderbuch in einer anderen Sprache vorstellen. Laden sie eine Kindergartengruppe ein oder eine Familie, die diese Sprache beherrscht. Haben sie immer ein physisches Buch dabei, um zu zeigen, dass es eben verschiedene Arten des Lesens geben kann.
Drittens, legen sie ein Tablet mit Polylino in der Bibliothek aus. Wecken sie die Neugierde und nehmen sie sich die Zeit, den Besuchern zu zeigen, wie Polylino funktioniert.

Zum Abschluss, was liegt Ihnen denn in der Sprach- und Leseförderung besonders am Herzen?

Es ist so wichtig, dass wir Eltern ermuntern und unterstützen ihren Kindern durch gemeinsames Lesen, Reden, Spielen, Singen und Toben einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Es ist auch sehr wichtig, dass Eltern ihre Muttersprache an die Kinder weitergeben – Kinder schaffen es locker, mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen. Gerade die frühen mehrsprachigen Erfahrungen legen den Grundstein für die weitere Sprach-, Lese und Schreibentwicklung der Kinder. Wichtig ist, dass alle Personen im Umfeld des Kindes lesende und sprechende Vorbilder sind: Geschwister, Großeltern, Eltern, Nachbarn und wir alle, die mit Kleinkindern zu tun haben.

Vielen Dank für das Gespräch, Anna Hällgren!

Anna Hällgren

Anna Hällgren