Interviews

Claudia von Holten zu „Mia Miau – die Tangosängerin“

Claudia-von-Holten-Citat

 

Tango, Gauchos, feuriges Temperament… Argentinien ist auch in Deutschland gut bekannt. Und Argentiniens Hauptstadt, Buenos Aires, ist der Ort, an dem sich „Mia Miau – die Tangosängerin“, ein Bilderbuch des Verlags Amiguitos, abspielt. Wir haben die Verlegerin Claudia von Holten zum Buch interviewt und sie auch gefragt, was sie dazu inspiriert hat, einen mehrsprachigen Kinderbuchverlag zu gründen.

 

Was hat Sie anMia Miau“ überzeugt, so dass Sie es wählten, um es als Buch in Ihrem Verlag Amiguitos herauszugeben?

Da ich selbst Tango Argentino getanzt habe, fand ich die Idee von einer Katzengeschichte rund um den Tango natürlich gleich ganz spannend. Durch die Recherche nach der richtigen Illustratorin und Übersetzerin, die auch noch einen Tango zum Buch komponieren konnte, ist ein rundes Projekt aus dem Skript geworden. Amrei Fiedler, die Illustratorin, hat selbst ein Jahr in Buenos Aires gelebt, ist gleichzeitig eine Absolventin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und auch international sehr erfolgreich. Durch ihren Wimmelbildstil mit den endlosen kleinen Details und dem Tango zum Buch werden alle Sinne angesprochen. Dadurch kann der Leser wirklich in die Welt des Tangos und dieser besonderen Stadt, dem Paris des Südens, eintauchen.

 

Mit welchen Mitteln wird in dem Buch argentinisches Ambiente erweckt?

Im Grunde ist es der Illustratorin gelungen, Buenos Aires als Katzenstadt neu zu erschaffen. Wer die argentinische Hauptstadt kennt, wird sie im Buch wiedererkennen. Nur sind die Einwohner diesmal keine Menschen, sondern Katzen und allerlei andere Tiere. Nicht nur der Text, sondern auch die Illustrationen enthalten vielerlei Hinweise auf die argentinische Kultur. Das Leben dort ist einfach anders, geprägt von zum Beispiel Mate-Tee und dem Tango Argentino. Und in den Straßen, den Geschäftsschildern und auf den Bussen findet sich der Fileteado wieder – ein ganz besonderer Malstil, der, genau wie der Tango, typisch für Argentinien und immaterielles Weltkulturerbe ist. All das ist in Mia Miau auf Spanisch und auf Deutsch vereint.

 

Sie haben selbst die unzähligen, liebevollen Details angesprochen. Wollen Sie ein paar Highlights nennen?

Es sind zum Beispiel ein Bild von Carlos Gardel, dem Tango Argentino Musiker und Komponisten schlechthin, und auch die Illustration eines Buchs von Mafalda, der weltberühmten argentinischen Comicfigur, zu finden. Natürlich sind beide in Mia Miau als Kater beziehungsweise Katze abgebildet!

 

Sie sind Mitgründerin des Verlags Amiguitos. Wie ist die Idee zu einem mehrsprachigen, interkulturellen Verlag entstanden?

Zunächst war Amiguitos eine Spielsprachschule zum frühen Sprachenlernen, vor allem für Spanisch. Durch das eigenständige pädagogische Konzept mit Musik-CD war eine gute Grundlage da, um daraus nach und nach einen unabhängigen kleinen Verlag zu machen, der inzwischen ein buntes Repertoire an mehrsprachigen Titeln, teilweise mit bis zu acht Sprachfassungen, anbietet.

 

Haben Sie Erfahrungsberichte, wie mehrsprachige Familien mit Ihren Büchern umgehen?

Ja, wir haben Rückmeldungen, die sehr positiv sind, von Eltern und auch von ErzieherInnen und LehrerInnen. Wir bekommen aber auch immer wieder Rückfragen nach noch ganz anderen Sprachen, die wir dann prüfen und bewerten. So ist beim aktuellen Buch „Die Geschichte der drei kleinen Schweinchen“ auch eine Version auf Polnisch dazu gekommen.

 

Wie sind Sie selbst auf Mehrsprachigkeit und mehrsprachige Erziehung aufmerksam geworden?

Unsere Tochter ist selbst ab dem Alter von 1 ½ Jahren zweisprachig mit Spanisch und Deutsch aufgewachsen. Das Motto „die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ haben wir als Familie also auch selbst gelebt.

 

Haben Sie selbst Tipps für Eltern, wie sie mehrsprachige Kinder fördern können?

Für Kinder gibt in Hinsicht auf Sprachen es keine Begrenzung, sie können mehrere Sprachen lernen, ohne Schaden zu nehmen. Je jünger die Kinder sind, desto mehr ist ihr Gehirn wie Plasteline und entwickelt die Fähigkeit der Mehrsprachigkeit von selbst aus. Nutzen Sie die ganze Welt der Möglichkeiten, die Ihnen die Vielzahl an Medien heutzutage bietet. Also Lieder, Spiele, Reime, Zungenbrecher, mehrsprachige Bücher, DVDs und so weiter. Überlegen Sie sich auch eine Strategie, die Sie Ihrem Umfeld mitteilen. Zum Beispiel „eine Person – eine Sprache“ oder „eine Situation – eine Sprache“. Und lassen Sie die Kinder mit allen Sinnen lernen, vor allem mit Spaß am Spielerischen!

 

Mia Miau – die Tangosängerin. Text von Andrea Schormair, Illustrationen von Amrei Fiedler

Lesen Sie mehr zu Amiguitos auf der Webseite www.amiguitos.de!

 

Weitere Bilderbücher vom Verlag Amiguitos in Polylino:

Leos Kuddelmuddel. Text von Verónica Coello Game, Inés Maria Jiménez, Eulalia Cornejo, Illustrationen von Eulalia Cornejo

Pablos Piñata. Text von Arzu Gürz Abay, Illustrationen von Amrei Fiedler

Der Kolibri, der seinen Schnabel verlor. Text von Claudia von Holten, Illustrationen von Juliane Buschhorn-Walter

Amiguitos Bücher in Polylino